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Beim Zehenbeißen hörte der Spaß auf

Die Karnevalsbräuche heute sind bunt, aber doch viel gesitteter, als zu früherer Zeit. Im Bild der Sturm aufs Hertener Rathaus am Donnerstag – mit einem Bürgermeister in Fesseln.Vest. Am Aschermittwoch ist alles vorbei – aber bis dahin kann es noch reichlich Trubel im Vest geben. Auftakt für den Endspurt gab es am Donnerstag bunt, laut und lustig in Marl und Herten mit dem Rathaussturm, am Sonntag zieht Datteln nach. Die Karnevalshochburgen Recklinghausen und Dorsten legen am Montag mit Umzügen noch eins drauf.Doch bevor wir uns ins wilde Treiben stürzen, erst einmal ein Blick nach nebenan, ins Sauerland. Dort, so berichte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, spielte sich in früheren Zeiten unfassbar Verrücktes zu:Fastnachtmontag zogen Frauen in Gruppen durch Haus, Hof und Gassen, griffen sich Männer, zogen ihnen die Schuhe aus – und bissen in den großen Zeh. Doch zuvor gab es, befeuert durch Alkohol, ein wildes Jagen und eine Balgerei. Wer bei solcher Weiberjagd links liegengelassen wurde, musste sich ernsthafte Gedanken machen.Am nächsten Tag zogen die jungen Burschen von Haus zu Haus und sammelten Wurst und Schnaps, nahmen Rache und gingen nur bei „bessergestellten“ Personen nicht ganz so ungestüm zu Werke. In den 1860er Jahren wetterten Geistliche und Lehrer, das Zehenbeißen sei roh, unsittlich und unhygienisch. Zunächst erfolglos, dann wurde es den Teilnehmern doch peinlich, in den 1950er Jahren bestritten bei einer Umfrage ältere Sauerländer gar, es habe je einen solchen Brauch gegeben.Dass man sich auch heute noch nach einer wilden Karnevalsnacht nicht mehr erinnern kann (oder will), wird immer wieder behauptet.

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