
Marl. Die Idee kommt aus England, die Umsetzung erfolgt in Sickingmühle: Beim „Schulbus auf Beinen“ gehen Kinder in Gruppen zu Fuß zur Schule und nehmen auf festgelegten Routen an ausgeschilderten Haltestellen weitere und Schüler auf.
Wie beim motorisierten Schulbus gibt es einen festen Fahrplan („Laufplan“) und einen „Fahrer“ (der die Gruppe ans Ziel bringt) sowie einen „Schaffner“ (Betreuer), der am Ende läuft und darauf achtet, dass niemand abhandenkommt. Fahrer und Schaffner sind zunächst Eltern, die ihre Aufgabe nach und nach an die Kinder übergeben können.
Das Konzept hat die ehemalige Lehramtsanwärterin Danika Hempel im vergangenen Jahr in ihrer Examensarbeit entwickelt. Gemeinsam mit den städtischen Verkehrsplanern Dr. Jürgen Göttsche und Udo Lutz haben Lehrer, Eltern und Schulleiterin Petra Badners das Konzept mit Leben gefüllt. Seit Monatsbeginn sind Schülerinnen und Schüler der 1. Klasse auf einer blauen und grünen Linie in Sickingmühle unterwegs.
Der Bus-Weg führt auch über neue, blaue Bordsteine. Sie sollen daran erinnern, dass die Straßeneinmündungen nicht zugeparkt werden dürfen. Zehn Liter Verkehrsblau waren nötig. Die 100 Euro dafür stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten, die eine zusätzliche Beschilderung kosten würde, so Udo Lutz.
Die Streckenverläufe und Haltestellen (die Schilder dafür wurden von den Schülerinnen und Schülern selbst gestaltet) richten sich nach der Adresse der Kinder. Reflektierende Kleidung oder leuchtende Westen und Schärpen stellen sicher, dass „Schulbus“ weithin sichtbar ist.
„Im Walking Bus können schon die Schulanfänger lernen, sicher und selbstbestimmt am Verkehrsgeschehen teilzunehmen“, sagt Janine Filipowski, Klassenlehrerin der Klasse 1 und Koordinatorin des Projektes. „Darüber hinaus macht der Gang zur Schule fit für den Unterricht und fördert die sozialen Kontakte unter den Schülerinnen und Schülern.“
Wenn dieser „Verkehrsversuch“ ein Erfolg ist, soll er auch auf andere Schulen und Statteile ausgedehnt werden.

