Marl. Die Investorengruppe für das geplante chinesische Groß-und Außenhandelszentrum an der Herzlia Allee hat sich zerstritten – einen Monat bevor die Frist für die Einreichung des Bauantrages abläuft. Am 16. Dezember will der Rat die Rückabwicklung des Kaufvertrages für das Grundstück an der Herzlia Allee beschließen (wir berichteten). Die Enttäuschung in Marl hält sich in Grenzen. Seit der ersten Ankündigung im Dezember 2007 waren immer wieder Termine geplatzt.Im ersten Bauvorschlag hatten die Chinesen die Herzlia Allee in einen See verwandelt. Der zweite zeigte zahlreiche spitzgiebelige Elemente, der dritte hatte eine Drachen-Struktur (die man nur vom Himmel aus sehen konnte), der nächste soll mehr chinesische Elemente haben.Denn die Chinesen haben nicht ihren Rückzug angekündigt, sondern ihre Trennung: Die DS GmbH soll aufgelöst werden, die beiden Geschäftsführer wollen getrennt weiter machen.Xiang Chu Wang (Hongrui Group) kündigt einen Dortmunder Projektsteuerer an. Der behauptet, er sei schon seit 2009 Projektmanager des Welthandelszentrums.Man habe bereits das Autohaus Renault Stüben (Bergstraße) erworben, um es zu einem Hotel mit Wellnesscenter umzubauen. Und man habe schon mehrere Firmen gegründet.Dongjun Zhao, DS-Geschäftsführer, kündigt die Gründung einer neuen Firma an. Drei Monate nach dem Grundstückskauf will man einen Bauantrag einreichen. Diesmal einschließlich Gastronomie, Hotel und Unterhaltung.Doch diese Versprechungen interessieren die Politiker nicht. Versprechungen haben sie jahrelang gehört. Sobald es um Fakten ging, geriet das China-Center ins Straucheln. Zum Beispiel beim Überweisen Kaufpreises für das Grundstück. Das Geld kam erst auf Drängen der Stadt auf ein Notarkonto. Dafür bekommt Marl auf jeden Fall die Zinsen.Es sei immerhin eine Chance gewesen, meinen die Fraktionsvorsitzenden im Marler Rat. Die Stadt habe alles richtig gemacht und den Chinesen so weit entgegen gekommen wie noch nie einem Investor. Doch jetzt müsse Schluss sein, wenn die Stadt noch ihr Gesicht bewahren wolle. Wie es weiter geht: Keine Ahnung.Friedrich Dechert, Vorsitzender von „Wir für Marl“ und beharrlicher Warner, sieht sich in seiner Kritik (für die er immer wieder gescholten wurde) bestätigt: Schon am ersten Tag sei erkennbar gewesen, dass das Projekt eine Lügengeschichte ist: „Das Geschäft muss man durchrechnen.“Was auf Seiten der Chinesen seit drei Jahren abgelaufen ist, können die Marler Politiker nicht nachvollziehen. Spekulationen tauchen auf, dahinter steckten ganz andere wirtschaftliche Interessen, Hunderte von Chinesen hätten mit dem Hinweis auf Marl einen Ausreiseantrag gestellt.Inzwischen müssen sich die chinesischen Investoren den Spott von Friedrich Dechert anhören: Aus dem chinesischen Drachen sei ein Regenwurm geworden, der sich gerade verkrümelt.

