Dorsten. Die skandalöse Abschiebung einer Angolanerin (das Sonntagsblatt berichtete) hätte eigentlich kein Aufsehen erregt – wenn nicht die Stadt Dorsten noch eins draufgelegt hätte: Sie forderte 32.000 Euro Abschiebekosten zurück. Die Stadtverwaltung verlor nicht nur den Prozess, sondern jetzt auch ihr Gesicht.Zerknirscht hat Bürgermeister Lambert Lütkenhorst einen Brief an Ana Maria Domingo geschrieben und sich entschuldigt. In der Stadtverwaltung wird künftig nicht mehr die Ausländerabteilung über eine Abschiebung entscheiden, sondern das Rechtsamt. Das letzte Wort hat Ordnungsdezernent Gerd Baumeister.Die Angolanerin war ohne ihre zweijährige Tochter, die sich bei ihrem Vater in Pforzheim befand, in ihr Heimatland ausgeflogen worden. 32.361,23 Euro kostete die Aktion. Ein Exklusiv-Flug im Privatjet?Sach-und Personalkosten der beteiligten Behörden und Flugkosten für zwei abgebrochene Abschiebungen, rechnet die Stadtverwaltung Dorsten vor. Der fragliche Charterflug habe 4.265 Euro gekostet und wurde von der Bezirksregierung Düsseldorf gebucht und finanziert.Überhaupt entscheide die Bezirksregierung über Art und Weise der Abschiebung zusammen mit der Zentralen Ausländerbehörde.Über mögliche disziplinarrechtliche Folgen für die Mitarbeiter der Ausländerbehörde wird die Stadt nicht selber entscheiden. Ein unabhängiger Jurist soll den Abschiebefall „umfassend aufarbeiten“, so die Verwaltung in einem Bericht für die politischen Gremien.Ob eine Entschädigung an die Angolanerin gezahlt wird, ist von möglichen strafrechtlichen und zivilrechtlichen Schritten abhängig. Ihr Anwalt hat sie sich vorbehalten. Denkbar ist auch eine außergerichtliche Einigung über einen Schadensersatz. Bei Amtshaftungsansprüchen greift die Haftpflichtversicherung der Stadt.Die Stadt verwahrt sich gegen Vermutungen, die Verwaltung habe eine Belohnung für die Abschiebung oder „erfolgsorientierte Bearbeitung von Ausländerfällen“ in Aussicht gestellt.Seit 2000 hat Dorsten insgesamt 273 Flüchtlinge abgeschoben.

