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„Gift-Film“ über Marl taugt nicht zur Diskussion

Marl. Der Vorführsaal des Grimme-Instituts war überfüllt: Was war so brisant an dem Fernsehfilm, den Peter Lilienthal 1964 über Marl gedreht hatte und der auf Protest des damaligen Bürgermeisters Rudi Heiland nicht gezeigt werden durfte? Marl, so zeigt der Film, hat unendlich biedere Wurzeln. Und der Bürgermeister hat Visionen, die der Film auch mit spöttischen Tönen garniert.

„Marl – Versuch einer Stadt“ wurde noch nie öffentlich in Marl gezeigt. „Marl war ein Experiment. Aber es ist gelungen“ ist die Film-Bilanz nach 60 Minuten. Nach 46 Jahren zieht die Diskussionsrunde im Grimme-Institut eine andere Bilanz.

Heilands Nachfolger hätten das Experiment nicht fortgesetzt und teilweise nicht verstanden, bedauert Architekt Hans-Joachim Thielke. Marls heutiger Bürgermeister Werner Arndt meint, manches sei „in die Hose gegangen“. Baudezernent Wolfgang Seckler sieht das Stadtzentrum skeptisch: „Es ist nicht das geworden, was ursprünglich geplant wurde.“

Die Visionen von Rudi Heiland gehen von einer reichen, modernen, wachsenden Stadt aus. Der Film zeigt den Rathaus-Rohbau, nagelneue Hochhäuser und uralte Zechenhäuschen. Lob für das Kulturangebot, daneben lange Passagen über ein biederes Vereinsleben mit Singen, Auszeichnungen, Trinken. Aber auch das damals modernste Krankenhaus Europas, ein futuristisches Hallenbad und eine unvollendete Bahnlinie. Kohle und Chemie sind die Basis des Wohlstandes.

Heute erinnern überdimensionierte und geschlossene Bauwerke an den Wohlstand. Geld für die Weiterentwicklung Marls ist nicht da. Und von Visionen auch keine Spur. Manche provozierende Äußerungen konnten am Donnerstag die Diskussion nicht anstacheln. Seit Jahren wird den Marlern eingehämmert: Wir haben kein Geld, wir können nur sparen.

„Wir müssen zwingend an einem Leitbild arbeiten“, zeigt Werner Arndt die Richtung. Das haben seine Vorgänger auch gesagt. Die Diskussion drehe sich in Marl um Schrumpfen oder neue Bebauungspläne.

„Wir eröffnen Altenheime und schließen Jugendheime“, wirft jemand ein. Werner Arndt kann das erklären. Es liegt am Geld.

Das war in Marl schon immer das treibende Element. In den 60er Jahren wie heute.

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