Vest. Wo steht das Ruhrgebiet? Wohin entwickelt es sich? Ein „Masterplan“, den der Regionalverband Ruhrgebiet (RVR) zurzeit erstellt, sieht den Kreis Recklinghausen nur in einer Randrolle: Die Stärken werden vernachlässigt, die künftigen Probleme des Bergbaus übersehen, die Konsequenzen verzerrt. Marls Wirtschaftsförderer Dr. Manfred Gehrke übt heftige Kritik am Arbeitspapier.
„Einige vor allem kleiner Städte und Gemeinden des Kreises Recklinghausen“ seien immer noch von produzierendem Gewerbe geprägt, Essen und Dortmund stünden dagegen für „qualifizierte Dienstleistungsangebote“, heißt es in dem RVR-Papier. Dabei hatte sich die Region doch für „moderne, zukunftweisende Industrieprozesse“ stark gemacht. Die international beachtete Chemsite-Initiative wird nur in einer Randbemerkung erwähnt, das Projekt Newpark wird völlig ignoriert. Das Konzept zur Entwicklung von Gewerbe-und Industrieflächen (das Vorreiterrolle für das Gesamtruhrgebiet hat), wird überhaupt nicht erwähnt.
Zwar würden die Schwierigkeiten bei Nokia und Opel aufgenommen, nicht aber die drohende Schließung der Bergwerke. In der Vergangenheit hatte das Kernruhrgebiet wegen der Zechenschließungen hohe dreistellige Millionenbeträge zu Bewältigung des Strukturwandels erhalten. Nun drohen „die betroffenen Städte des nördlichen Ruhrgebietes ohne vergleichbare Hilfe allein gelassen zu werden“, wundert sich Dr. Gehrke. „Der Strukturwandel hin zur Dienstleistungsgesellschaft sei weitgehend vollzogen“, argumentiert der RVR.
Eine fatale Sichtweise, wie der Marler Wirtschaftsförderer aufzeigt. Allein die Zahl der Gewerbean-und –abmeldungen sage nichts aus. Deshalb sei die Meldung einer Firmenzentrale des international agierenden Unternehmens Polymer Latex mit mehr als 200 Mitarbeitern oder des Gefahrgutspediteurs Kläsener mit mehr als 130 Mitarbeitern anders zu bewerten „als die im gleichen Zeitraum erfolgte Anmeldung etwa eines Fingernagelstudios als Gründung einer Einzelperson aus der Arbeitslosigkeit“.
Fazit aus Marler Sicht: Die besonderer Problemlage des nördlichen Ruhrgebietes wird nicht richtig erkannt, die verengte Sichtweise ist nicht angemessen. Der Plan aber wird die Richtschnur für künftiges Handeln sein.

