Marl. Man redet schon seit Jahren nicht mehr drüber. Vielen Bürgern fällt sie als Lücke schon gar nicht mehr auf: Zwischen Busbahnhof und Maler Stern sollte mal ein Entertainment-Center gebaut werden. Davon ist keine Rede mehr. Neuerdings erzählt man sich, eine Hamburger-Kette habe Interesse. Ist das alles, was von den hochfliegenden Plänen übrig geblieben ist?Noch nicht. Seit mehr als zwölf Jahren rangeln die Stadt Marl (inzwischen mit dem dritten Verwaltungschef) und der Dorstener Investor Jürgen Tempelmann darüber, was wünschenswert und was machbar ist. Da müssen auch Gerichte eingeschaltet werden – nur „zur Klärung“, betont der Geschäftsführer der Tempelmann-Gesellschaft Prisma-Immobilien, Ralf Ehlert.Auch Marls Bürgermeister Werner Arndt ist verbindlich: Er warte mit Interesse darauf, welcher Vorschlag vorgelegt werde, um diesen städtebaulich wichtigen Punkt zu beleben.Es geht seit 1997 um eine Überbauung der Bergstraße zwischen dem Einkaufszentrum und dem mittlerweile gebauten Busbahnhof. Eine Großdiskothek, mehrere Kinos und Gastronomie sollen den Forums-Platz abrunden, junge Menschen an die Stadtmitte heranführen und dem Einkaufszentrum Käufer bringen.Tempelmann wollte Gebäudeteile kaufen, der Zugang zum Stern solle völlig neu werden. Dazu musste der Dorstener Stellplätze nachweisen und sollte deshalb Teile des Insel-Parkhauses kaufen. Das Verhandeln mit dem Dorstener war da schon in vollem Gange. Immer mehr Punkte tauchten auf, die geklärt werden mussten: Tempelmann gründete eine Firma, der Parkplätze-Kauf war strittig, den Einbau einer Konventional-Strafe lehnte er ab, die Stadt musste vorab schon mal eine Spundwand bauen.Der Recklinghäuser Kinobetreiber fiel aus, der Komplex sollte auch Einzelhandel aufnehmen, der vertraglich vereinbarte Baubeginn wurde mehrfach verschoben.Inzwischen erklärte die Stadt, der Investor habe sein Bau-Interesse nicht bewiesen und verlangte das Grundstück zurück. Das Landgericht gab Marl Recht. Vor dem Oberlandesgericht verlor die Stadt: Einer der Bauanträge sei doch genehmigungsfähig gewesen. Die Stadt hat Revisionsnichtzulassungsbeschwerde eingelegt.Ein halbes Hundert Pläne habe man der Stadt mittlerweile vorgelegt, so Ralf Ehlert. Doch die Stadt habe alle abgelehnt. Jetzt habe man auch eine Hamburger-Kette mit in einem neuen Vorschlags-Paket. Mit weiteren Interessenten würden Gespräche geführt. Doch nach so vielen Jahren werde es fast unmöglich, noch einen interessanten Mix für diesen Standort zusammen zu bekommen.Bürgermeister Werner Arndt hat sich schon einmal mit Jürgen Tempelmann unterhalten, unverbindlich. Er will jetzt drängen, dass ein Plan auf den Tisch kommt, der an dieser städtebaulich wichtigen Stelle auch die Interessen der Stadt berücksichtigt. Eine Hamburger-Kette kann höchstens Teil eines Konzeptes sein.

