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Die Steuern flossen so munter wie immer

Vest. Wenn das keine positive Nachricht ist: 1,66 Milliarden Euro Steuern haben die beiden Finanzämter im Kreis letztes Jahr eingenommen, nur 1,4 Prozent weniger als 2008. NRW-weit waren es 8,7 Prozent weniger, im Ruhrgebiet 5 Prozent. „Was darauf hindeutet, dass die Talsohle hoffentlich durchschritten ist“, wertet Heike Hürland, die Vorsteherin des Finanzamtes Marl, die Jahresbilanz 2009. Die Wirtschaft sei offensichtlich nicht weggebrochen, meint auch Manfred Frericks, der Chef des Recklinghäuser Finanzamtes.

Besser als die Republik ist auch die Situation bei den Unternehmensinsolvenzen. Dem allgemeinen Trend (Zunahme 16 Prozent) steht im Vest ein Rückgang um 7 Prozent gegenüber. Aber bei den Verbraucherinsolvenzen gab es einen Anstieg um 15 Prozent, während die Zahl bundesweit stagniert.

Mehr Außenprüfungen bringen auch mehr Geld in die Staatskasse, die Binsenweisheit hat sich beim Finanzamt bestätigt. Fast 2000 Prüfungen von 65 Prüfern brachten fast 47 Millionen – ein deutlicher Anstieg um fast 10 Millionen.

Übrigens: Mit Schrott kann man doch gutes Geld verdienen, hieß es im letzten Jahr. Das Finanzamt Recklinghausen guckte man genau hin und fand viele Unregelmäßigkeiten. Zum Beispiel Arbeitnehmer, die mit Zustimmung ihres Arbeitgebers anfallenden Schrott verkauften. Das war dann zusätzlicher Arbeitslohn. Ergebnis der Schwerpunktprüfung: 863.000 Euro Mehreinnahmen. Allein die 27 aufgefallenen Arbeitnehmer mussten 64.561 Euro nachzahlen.

In diesem Jahr kommt neue Arbeit auf die Finanzämter zu, aber nicht mit zusätzlichem Personal. Es geht um die Rentenbezugsmitteilungen, 120 Millionen Mitteilungen bundesweit sind zu überprüfen, im Vest werden es besonders viele sein, schätzen die Fachleute. Alle Mitteilungen müssen überprüft werden, ob eine Steuerpflicht besteht. Die Kontrolle ist nicht auf die lange Bank zu schieben, weil es um Mitteilungen seit 2005 geht, für die Fristen Ende 2010 ablaufen.

Aber es gibt noch mehr Finanzamts-Probleme: Die Abgeltungssteuer wirft mehr Probleme auf als erwartet. Und es gibt neue und mehr Steuerformulare, die selbst die Fachleute für unübersichtlicher als die alten Formulare halten.

Hilft deshalb der Besuch der Sprechstunden (in Haltern, Herten und Dorsten)? Eher nicht, sagen die beiden Finanzamts-Chefs. Für Details habe man kaum Zeit, meist sei es nur eine „Übergabe“. Ihr Tipp: Per Post zuschicken und abwarten, ob das Finanzamt Fragen hat.

In diesem Jahr wird das deutlich länger dauern als bisher. Anrufen lohnt nicht. Das Amt gibt über den Bearbeitungsstand keine Auskunft.

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