Werbe hier
Veröffentlicht in

Der Gerichtsvollzieher steht seltener vor der Tür

Vest. Arme Städte = arme Bürger? So einfach ist die Rechnung nicht. Wie der Schuldneratlas des Kreises Recklinghausen zeigt, ist die Lage sehr uneinheitlich: Die höchste Quote mit 15,3 Prozent liegt in Recklinghausen (König-Ludwig/Röllinghausen), die niedrigste in Haltern mit gerade mal 6,9 Prozent. Das hat die Wirtschafts-Auskunftei Creditreform ermittelt.

Im Kreis sind derzeit 57.550 Personen überschuldet, das sind 6.550 weniger als im Vorjahr. Die Schuldnerquote sank in den letzten Jahren deutlich auf nun 10,94 Prozent. Das entspricht fast genau der Arbeitslosenquote (10,9 Prozent).

Überschuldet ist, wer seine Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann. In Deutschland sinkt die Quote seit Jahren, mittlerweile auf 9,09 Prozent, in NRW ging die Quote auf 10,39 Prozent zurück (im Ländervergleich Platz 11).

Die uneinheitliche Lage im Kreis Recklinghausen wird erst verständlich, wenn man einen größeren Raum betrachtet: Das Ruhrgebiet hat in weiten Bereichen eine Quote von 14 und mehr Prozent. Das Münsterland hat eine nur halb so hohe Quote – ein deutliches Nord-Süd-Gefälle.

Hauptursache der Überschuldung, so Creditreform, sind nach wie vor Arbeitslosigkeit, Trennung/Scheidung. Daneben gehören Kauf auf Pump und unwirtschaftliche Haushaltsführung zu den Auslösern. Und natürlich auch die Höhe des Einkommens. Im Kreis beträgt das verfügbare Einkommen nach einer Studie der IHK Nord 17.500 Euro (1.000 Euro unter Bochum).

Der erfreuliche Trend der letzten Jahre wird sich nach Einschätzung von Creditreform nicht fortsetzen: Sie geht von steigenden Arbeitslosenzahlen und einem Wiederanstieg der Schuldnerquote aus.

Als Lösungsansätze sieht Creditreform unter anderem eine Förderung der Finanzkompetenz, Stärkung der Insolvenz- und Schuldnerberatung sowie eine Förderung der verantwortungsbewussten Kreditvergabe.

Werbe hier