Marl (eib). Er hat Jesus vor Augen gesehen, Stimmen trieben ihn an. Dann stieß der 27-jährige Christian G. mit dem Messer zu, 26-mal. Am 18. Juni 2008 starb die 39-jährige Marlerin Regina B. auf einem Spaziergang in ihrer Heimatstadt.
Die beiden hatten sich erst ein paar Stunden vorher zum ersten Mal gesehen. Der Hamburger hatte die Marlerin im Chat kennengelernt – wie schon rund 150 Frauen vorher. Das erzählte er vor dem Landgericht Essen, wo er sich seit Dienstag wegen zweifachen Mordes zu verantworten hat. An der Marlerin sowie einer 26-jährigen Berlinerin.
Die Marlerin hatte offenbar keine glückliche Hand in Sachen Liebe, aber machte sich immer noch Hoffnung auf das große Glück. Deshalb auch die Internet-Kontaktbörse, deshalb auch der Besuch aus Hamburg nach nur wenigen Tagen Kontakt am Computer. Nach der gemeinsamen Nacht, am nächsten Tag, habe er „die Augen von Jesus“ gesehen, erklärte er nun vor Gericht. Und seine frische Bekanntschaft habe plötzlich 400 Euro verlangt, sonst werde sie ihn wegen Vergewaltigung anzeigen. Da habe er zugestoßen.
Den Tod der 26-jährigen Berlinerin, die er 13 Tage vorher in Stade getroffen hatte, konnte er sich gar nicht erklären: Er habe ihr nur an den Hals gefasst, da sei sie schon leblos zu Boden gesunken. Ihr Blut an seinen Schuhen erklärte er mit einem Nasenbluten.
14 Verhandlungstage hat das Gericht für die beiden Mordfälle angesetzt. An den ersten Tagen ging es viel um die Welt des Internets, um Chats und Pseudonyme, um Süchte und Drogen. Der Vertreter der Nebenklägerin (einer Tochter der Marlerin) sieht einen Mord aus Heimtücke, weil der Hamburger Angeklagte eine Kamera der Frau mitnahm und Bilder auf der Heimfahrt machte.

