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Verklagen sich Kreisstädte gegenseitig?

Vest (eib). Marl hat tief Luft geholt, der Mund ist gespitzt – doch gepfiffen wird nicht. Hat die Stadt Angst vor dem Echo? Denn der lautstark angekündigte Protest gegen das geplante Recklinghäuser Einkaufszentrum hat einen Haken: Auch Haltern könnte Protest anmelden, wenn auch in einer anderen Sache: gegen das geplante Kraftwerk auf Marler Boden. Im ersten Fall sieht sich Marl als leidtragende Stadt, im zweiten Fall sieht sich Haltern als leidtragende Stadt.

Ander als Recklinghausen, dass sich offen zu der massiven Ausweitung von Verkaufsfläche bekennt, hat Marl bislang den Bau des Kraftwerkes im Chemieparkgelände gewaltig heruntergespielt. Als sei das nur die zwingende Notwendigkeit für den Erhalt der Arbeitsplätze. Als sei das der Ersatz für die drei bestehenden Kraftwerke. Jedenfalls war mit keinem einzigen Wort davon die Rede, dass das neue Kraftwerk auch Strom in das öffentliche Netz abgibt. Der Text erweckte – mit dem Hinweis auf die teils mehr als 40 Jahre alten bestehenden Kraftwerke – den Eindruck, diese sollten aufgegeben werden. Tatsächlich sollen sie weiter betrieben werden.

Kritische Worte gab es deshalb in Marl nicht. Weil ja alle Emissionen in Richtung Haltern ziehen. Dort erst kam durch hartnäckiges Fragen heraus, dass im Chemiepark nicht nur für den eigenen Bedarf gebaut werden soll.

In Marl mag man das Thema nicht problematisieren. Vorsichtig steckten die Politiker im Rat zurück. Die SPD hatte zunächst eine Klage gegen Recklinghausens Einkaufszentrum Arcaden verlangt, dann aber nur noch einen Bericht der Bürgermeisterin über die Gespräche mit der Nachbarstadt.

Die offensichtliche Vorsicht der Marler Politiker hat als Hintergrund die Sorge, von der Nachbarstadt Haltern ebenfalls unter Druck gesetzt zu werden. Denn das Marler Kraftwerk beeinträchtigt nicht unerheblich die Halterner. Und die sollen nicht auf die Idee kommen, deswegen gegen Marl zu klagen.

Noch wird miteinander geredet. Wenn Recklinghausen nachgibt, dann sieht sich Marl auch in der Pflicht gebenüber Haltern. Doch dort sieht man bislang überhaupt keine Veranlassung, von den fast 30.000 neuen Verkaufs-Quadratmetern abzurücken. Alles darunter würde sich überhaupt nicht lohnen.

Mal hören, was die Bürgermeisterin auf der nächsten Ratssitzung im Januar berichten kann.

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