Vest. Schwarz sehen fast alle Chemie-Unternehmen in Westfalen für das Jahr 2009. So stellen sich 97 Prozent der Befragten im Vergleich zum Vorjahr auf eine Verschlechterung ein. Das ergab die halbjährliche Konjunktur-Blitzumfrage des Arbeitgeberverbandes (AGV) Chemie Westfalen, der rund 150 meist mittelständische Chemieunternehmen mit etwa 36.000 Mitarbeitern und mehr als 2.000 Auszubildenden repräsentiert, zum Jahresende.
Der Auftragseingang hat sich im zweiten Halbjahr für 73 Prozent der befragten Unternehmen gegenüber dem ersten Halbjahr verschlechtert, auch der Umsatz wird von 75 Prozent als schlechter oder gleichbleibend schlecht bewertet. Ebenso negativ ist es bei der Nettoumsatzrendite (Anteil des Nettogewinns am Umsatz) und auch bei den Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate. (79 Prozent schlechter oder gleich bleibend schlecht).
„Wir kommen bereits aus einem vergleichsweise schlechten zweiten Halbjahr 2008 in ein sehr schwieriges Jahr 2009 für die Chemische Industrie in Westfalen. Das einzig Positive momentan ist, dass sich die Unternehmen bemühen, ihre Fachkräfte auch in der Krise zu halten“, so Dirk W. Erlhöfer, Hauptgeschäftsführer des AGV Chemie Westfalen. „In einigen Fällen stehen allerdings auch betriebsbedingte Entlassungen an. Wir hoffen alle, dass die Wirtschaftskrise und deren Auswirkungen nicht zu sehr an die Substanz unserer Unternehmen gehen werden und auf ein baldiges Licht am Ende des Tunnels“.
Auf der Beschäftigungsseite seien die Auswirkungen der Finanzkrise bislangnur abgemildert angekommen: So hatten 57 Prozent der Befragten im zurückliegenden Halbjahr eine unveränderte Personalsituation. Allerdings sei der Saldo aus Personalabbau (32 Prozent) und Personalaufbau (11 Prozent) deutlich ins Minus gerutscht. Für das erste Halbjahr 2009 rechnen immerhin 53 Prozent der Unternehmen mit weiterhin stabilen Beschäftigungsverhältnissen.
Noch vergleichsweise gut sieht es beim Ausbildungsplatzangebot aus: Hier rechnen 79 Prozent der Chemie-Unternehmen für 2009 mit stabilen Verhältnissen und sogar sechs Prozent gehen von einer Aufstockung aus. Immerhin 11 Prozent der Unternehmen haben aktuell Schwierigkeiten, Fachkräfte zu bekommen.
Überraschend positiv ist die Abfrage der Auswirkungen der Finanzkrise auf die Kapitalbeschaffung ausgefallen: So hat nur jedes vierte Unternehmen mit negativen Auswirkungen zu kämpfen und klagt über steigende Kreditzinsen oder muss höhere Sicherheiten bereit stellen.

