
Herten (eib). Herten setzt auf Zukunft, Herten setzt auf HyChain, auf die Wasserstoff-Kette. Fünf Fahrzeuge sind nun bestellt worden. Die finanzklamme Stadt gibt dafür rund 100.000 Euro aus. Bezahlen muss sie zum Teil der Bürger – über die Gebühren. Die Nachbarstadt Marl hatte den Kauf von nur einem Fahrzeug verworfen, es war den Politikern einfach zu teuer.
„In Herten ist künftig die größte Flotte des europäischen HyChain-Projektes unterwegs“, jubelten dieser Tagen die Stadtverwaltung, die Stadtwerke und die Emscher-Lippe GmbH. Immerhin ist Herten der Sitz des Wasserstoff-Kompetenzzentrums. Und so kann die Stadt „einen Beitrag zur Anwendung und Weiterentwicklung“ leisten, freut sich Bürgermeister Dr. Uli Paetzel. Zwei Kleintransporter gehen an den Zentralen Betriebshof, zwei weitere an die Stadtwerke, ein Lastenfahrrad kauft die Firma Securplan und stellt es zu Kurierfahrten zur Verfügung.
Und wer muss das bezahlen? 100.000 Euro erscheinen als ein guter Preis. Denn die Stadt Marl, die nur ein Fahrzeug haben wollte, sollte dafür 41.000 Euro zahlen – dreimal so viel wie für ein herkömmliches Fahrzeug. Das war den Politikern reichlich teuer. Und als die Umrechnung auf die Mülltonne kam, nämlich 3 Euro, winkten sie ab. Das könne man den Bürgern nicht vermitteln.
In Herten sieht die Rechnung anders aus, so erklärt Pressesprecherin Nele Däubler. Es seien nur Centbeträge an Gebührenerhöhungen zu erwarten, weil die Fahrzeuge nur zum Teil in Gebührenbereichen eingesetzt würden. Der größte Teil werde aus dem allgemeinen Haushalt bezahlt. Und das dürfe Herten, obwohl hochverschuldet und ohne genehmigten Haushalt.
Denn der Fahrzeugkauf sei Teil der Wirtschaftsförderung und das sei vom generellen Spargebot ausgenommen. Viel mehr: Herten sei wegen dieses Kaufes sogar ausdrücklich gelobt worden. Und zuletzt: Es handelt sich um eine Ersatzbeschaffung und nicht um einen zusätzlichen Kauf.
Die Zukunft habe im Mittelpunkt der Entscheidung gestanden, so die Pressesprecherin. Das HyChain-Projekt läuft bis 2011 und hat ein Budget von 38 Millionen Euro. Am Ende erhofft sich Herten, die Keimzelle für den Kraftstoff der Zukunft gelegt zu haben. Neue Industrien könnten sich ansiedeln, neue Arbeitsplätze werden entstehen. Die Stadt würde gewaltig profitieren – weil sie sich auch selber finanziell eingebracht hat.
Ähnliche Überlegungen gab es auch in Marl. Denn im Chemiepark sitzt das Unternehmen, das die notwendigen Kartuschen für den Wasserstoff herstellt. Doch die Abwägung fiel trotzdem gegen einen Kauf. Man könne der finanziell arg gebeutelten (aber immer noch besser dastehenden) Stadt Marl solch hohen Kosten nicht zumuten. Das sei eine Aufgabe des Landes. Das solle doch beim Kauf eines Fahrzeuges die finanzielle Lücke auffangen.
Ein Thema, zwei Städte, zwei Entscheidungen. Aber in Marl wird (hinter verschlossenen Türen) das Thema weiter behandelt.

