Auch Tierärzte fordern Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen
In Deutschland fristen schätzungsweise zwei Millionen Straßenkatzen ein leidvolles Dasein. Sie leben auf Bauernhöfen, in Industriegebieten oder Schrebergärten – krank, verletzt, ungeimpft und oft unterernährt. Viele stammen von einstigen Hauskatzen ab, die entlaufen oder ausgesetzt wurden. Ihr unkontrolliertes Wachstum macht das Leid der Straßenkatzen zu einem der größten, bislang weitgehend verborgenen Tierschutzprobleme des Landes.
Eine aktuelle qualitative Online-Umfrage von Humane World for Animals Deutschland unter 207 approbierten Tierärzten aus 14 Bundesländern zeigt nun ein klares Bild: Die überwiegende Mehrheit hält nachhaltige Kastrationsprogramme nach dem Prinzip „Trap-Neuter-Return“ (TNR, auf Deutsch: Fangen-Kastrieren-Freilassen) für wirksam, um die Straßenkatzenpopulationen zu reduzieren. Doch fehlende Finanzierung und mangelnde staatliche Unterstützung bremsen die Umsetzung entscheidend aus.

Von den 207 befragten Tierärzten nehmen derzeit 80 aktiv an TNR-Maßnahmen teil, 127 nicht. Ihre Antworten liefern das bisher detaillierteste Bild über die klinischen, finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen in Deutschland. Besonders deutlich wird: Das Problem bleibt weitgehend auf den Schultern Ehrenamtlicher und lokaler Tierschutzvereine. Nur acht Prozent der Tierärzte arbeiten aktuell mit ihrer Kommune zusammen.
Viele Befragte fordern daher klare politische Maßnahmen, um das Leid der Straßenkatzen langfristig zu verringern. An erster Stelle steht der Wunsch nach einer bundesweiten Katzenschutzverordnung, die Kastration, Kennzeichnung und Registrierung freilaufender Katzen mit Haltern einheitlich regelt.
Hintergrund: Einsatz für Straßenkatzen in Deutschland
Humane World for Animals Deutschland engagiert sich seit 2024 für nachhaltiges Populationsmanagement von Straßenkatzen und unterstützt lokale Initiativen in mehreren Bundesländern mit Lebendfallen, Fördermitteln und fachlicher Beratung. Die aktuellen Umfrageergebnisse sollen nun als Grundlage dienen, um gemeinsam mit Politik, Kommunen, Tierärzten und Tierschutzorganisationen wirksame Lösungen für das Straßenkatzenproblem in Deutschland voranzubringen.

