Vest. Die Gleichberechtigung hat noch längst nicht alle Lebensbereiche abgedeckt. In Marl hat die SPD nun für die Verwaltung eine „geschlechtergerechte Sprache“ angemahnt. Solches Verlangen stößt oft auf bissigen Widerstand: Muss es künftig „Bürger- und Bürgerinnenmeister/in“ heißen? Was wird aus Ausländern und Fußgängern?
„Kein Problem“, sagt Marls Gleichstellungsbeauftragte Heike Joswig. In der Stadtverwaltung gibt es seit 1995 eine Anweisung, die männliche und die weibliche Schreibform zu benutzen. Und daran halten sich die Mitarbeiter, sie habe darauf ein wachsames Auge.
Die SPD aber hat Handlungsbedarf gesehen und verweist auf die Stadt Münster, wo „Tipps zum fairen Formulieren“ zusammengestellt wurden. Auch die Stadtverwaltung Marl könne sich davon inspirieren lassen und „ohne große Bemühungen“ einen „Fortschritt in der Geschlechtergerechtigkeit erzielen“.
Es geht um Mannschaften und Ausländer, Bürger und Beamte, Kunden, Besucher und Führerscheine – alles männliche Formen, die im allgemeinen Sprachgebrauch nur selten durch weibliche Formen ergänzt werden.
Wie soll das gehen bei einem „Fußgängerüberweg“? Kritiker schlagen zurück: „Straßenseitenwechselzonenmarkierung“. „Zebrastreifen“ ignorieren sie. Wo das Duett männliche/weibliche Form zu sperrig wird, sollte man doch einfach andere Formulierungen benutzen, sagen die Münsteraner. Statt „Unterschrift des Antragstellers“ heißt es dann „Bitte hier unterschreiben“. Touristen werden zu Gästen, Beraterinnen und Berater zum „Team“
Wobei die ersatzweise Nutzung von Fremdwörtern der Marler Gleichstellungsbeauftragten nicht gefällt. Und was bisweilen als lächerliche Lösung daherkommt („Bürger- und Bürgerinnensteig“) gehe schlichtweg am Problem vorbei. Das seien doch nur Sachbezeichnungen, so Heike Joswig. So wie Falschfahrer und Schützenfest. Ändern müsse man Bezeichnungen, die sich direkt auf Menschen beziehen.
In Marl stoßen solche Vorschläge auf fruchtbaren Boden. Bereits Anfang der 90er Jahre kam – etwas überraschend – die Idee der Grünen, in einer neuen Informationsschrift für die Paracelsus-Klinik sollten doch alle Berufsbezeichnungen ausschließlich in der weiblichen Form aufgenommen werden. Weil ja bisher nur die männliche Berufsbezeichnung benutzt wurde. Die Politiker waren überrumpelt und stimmten zu.

