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Gottesfürchtig und trinkfest

Vest. Kernige Bayern, sparsame Schwaben, nüchterne Hamburger – und keiner redet über die Westfalen. Hat nicht einer von ihnen den Untergang des römischen Reiches eingeleitet, dieser Hermann der Cherusker? Es wird Zeit, endlich ein paar typische Merkmale des Westfalen ins Bewusstsein zu rufen.

„Stur, bodenständig und ein bisschen provinziell“ – das hören die Westfalen nicht so gerne über sich. „Arbeitsam, gottesfürchtig und trinkfest“ – da können die meisten nicht widersprechen. Auch „zuverlässig, treu, fleißig und zurückhaltend“ ist eine schöne Beschreibung.

Und was für eine Figur machen die Westfalen im Film? Hermann der Cherusker wird schon 1924 im Stummfilm „Die Hermannschlacht“ als großartiger Befreier Germaniens und Gründervater der deutschen Nation gefeiert.

Ein ganz anderer Typ war der „Tolle Blomberg“ aus Buldern, der mit saftig-derbem Humor als Freiherr seine Späße trieb. Westfälisches Heimatgefühl vermittelte das „Westfalenlied“ (1957), das die Schönheiten und Besonderheiten Westfalens zeigt.

Und weil auch das Ruhrgebiet irgendwie zu Westfalen gehört, werden in Filmen gerne Regen und Malocher und deren Leidenschaft für Tauben, Fußball und Bier gezeigt. Doch im Land von Schinken, Pumpernickel und Doppelkorn (nicht vergessen: Pferde und Fahrräder) verblassen die klassischen Charaktereigenschaften. Der Westfale sei zielgetreu bis zur Sturheit, zuverlässig bis zum letzten Tag und maulfaul bis zur Sprachlosigkeit. Heißt es.

Dabei ist die Sache mit der Sprache eigentlich ganz anders. Der Westfale spricht halt so wie er denkt, wohlüberlegt. Der Comedian Rüdiger Hofmann ist ein Beispiel. Jürgen von Manger wusste Geschichten zu erzählen und Dr. Stratmann beweist heutzutage, dass der Westfale aus dem Ruhrgebiet die Welt längst pfiffig durchschaut hat.

Die Klischees über die traditionsbewussten Westfalen sind historisch gewachsen. Und noch immer gebrauchsfähig.

Also dann: „Guet goahn“.

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