
Bild: Prof. Dr. Cemil Özcelik im neuen Herzkatheterlabor.
Recklinghausen. Ausgerechnet in NRW liegt die Rate an schweren Herzerkrankungen laut der Deutschen Herzstiftung um 7,5 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt. Das Klinikum Vest will das nicht auf sich sitzen lassen und eröffnete am Knappschaftskrankenhaus Ende Oktober ein ganz neues Herzkatheterlabor.
Damit kann das Ärzteteam in Recklinghausen jetzt auch alle gängigen Verfahren der interventionellen Kardiologie auf höchstem Niveau betreiben. Mit anderen Worten: Die Erstversorgung von Patienten mit vermutetem Herzinfarkt läuft in der neuen Brustschmerzambulanz mit vier Betten nun spezialisierter und bedarfsgerechter ab. Bestätigt sich der Verdacht auf einen Herzinfarkt, werden die Patienten unverzüglich dem neu eingerichteten Herzkatheterlabor zugeführt. Im Anschluss können die Patienten in akuten Fällen sofort auf die Intensivstation weitergeleitet werden. Brustschmerz-Patienten ohne Infarkt dagegen können sich auf der neuen Telemetriestation frei bewegen. Bei ihnen erfolgt lediglich eine Rhythmusüberwachung; die Lebensqualität ist deutlich höher, wenn nicht jeder Patient auf die Intensivstation verlegt wird.
Diese maßgeschneiderte Überwachung erfordert natürlich eine aufwendige Infrastruktur, die die Projektgruppe „Herzblut“ in monatelanger Vorarbeit akribisch geplant hat. Das sind „einmalige Arbeitsbedingungen“, sagt Prof. Dr. Cemil Özcelik, Chefarzt der Medizinischen Klinik I für Kardiologie, Gastroenterologie und Diabetologie, den das Klinikum Vest neu ins Boot geholt hat. Özcelik weiß, wovon er spricht. Zusammen mit seinem Kollegen und leitenden Oberarzt Stephan Matzath hat der 48-Jährige bereits drei Jahre lang Aufbauarbeit in der Kardiologie des Herzverbundes Südniedersachsen gestemmt.
Sein Qualitätsanspruch erfordert, dass im neuen Labor die Strahlenbelastung heruntergefahren wird – um 30 bis 40 Prozent. Außerdem will sich das Krankenhaus in den Rettungsdienst eingliedern und künftig Notfallpatienten mit Herzinfarkt behandeln. Eine extra eingerichtete Herzline-Telefonnummer soll niedergelassenen Fachärzten darüber hinaus helfen, dringende Fälle direkt anzumelden und sich gut beraten zu lassen.

