Vest. Es geht nur noch europaweit: Kein halbwegs großes Projekt kann lokal in Auftrag gegeben werden, wenn die Städte daran beteiligt sind. In Marl macht sich setzt ein Ex-Kommunalpolitiker und Ex-Banker daran, mit einer neuen Gesellschaft dagegen zu halten. Hubert Schulte-Kemper hat „Zukunft in Marl“ gegründet, eine Gesellschaft, die konsequent auf den örtlichen Mittelstand setzt und Vorbild für eine Stärkung der Region ist.
Die Projektentwicklungsgesellschaft will alle Handwerksbetriebe als Gesellschafter aufnehmen, sie sollen sich mit 500 bis 1000 Euro beteiligen. Schulte-Kemper: „Es wird der erste große Marler Unternehmsverbund.“
In der Praxis soll das so funktionieren: Bei jeder Bautätigkeit sind 18 bis 22 Gewerke beteiligt. Sie kommen bei allen Aktivitäten als erste zum Zuge. Schulte-Kemper hat deshalb dem (von ihm gegründeten) Wirtschaftsclub eine Zusammenarbeit angeboten. „Es ist die Chance, die Mitglieder zu unseren Gesellschaftern zu machen.“ 50 bis 70 Marler Unternehmen sieht er als mögliche Mitglieder. Anfang Mai stehen die entscheidenden Gespräche mit dem Wirtshaftsclub an.
In Marl sieht er viele Chancen für den neuen Unternehmens-Verbund (der nicht etwa zu exklusiven sondern zu marktüblichen Preisen arbeiten will). Auf dem Hallenbad-Gelände könnten 20 Millionen Euro investiert werden, auf den drei Sportsplätzen (die wegen der neuen Gemeinschaftsanlage an der Hagenstraße aufgegeben werden) könnten es je sieben Millionen Euro sein.
Dass die beteiligten Marler Unternehmen damit auf Jahre die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter sichern, ist die eine Seite. Die andere ist, dass Marl auf diese Weise viele neue attraktive Wohnungen anzubieten hat und damit dem Einwohnerschwund Einhalt gebietet.
Letzteres habe auch dramatische Auswirkungen auf die verbleibenden Bürger: Die Kosten für Müllabfuhr, Straßenreinigung, Kanalisation usw. würden auf immer weniger Beteiligte umgelegt, die „zweite Miete“ würde damit kräftig steigen.
Grundsätzliche Überlegungen, die auch auf die anderen Kreisstädte so zutreffen. So könnte das Marler Unternehmens-Modell sich zu einem Vorbild für eine kreisweites Projekt entwickeln.

