Marl. Der Vorfall ist schon fast drei Monate alt, doch seit dieser Woche versetzt er die Eltern einer Kindertagesstätte in helle Aufregung. Ein Erzieher soll sich in unstattlicher Weise einem Kind genähert haben. Die Eltern verlangen den Rauswurf.
Was genau passiert ist, das wollen alle beteiligten Seiten nicht so klar formulieren. Im August soll sich in einer städtischen Kita (Marl hat zehn davon) ein Mitarbeiter einem Kind genähert haben, es soll gemeinsame Fotos geben – „Sachen, die nicht üblich sind“, heißt die Umschreibung.
Klarer war die sofortige Handlung der Verwaltung: Der Mitarbeiter wurde vom Dienst suspendiert. Für das Kind gab es eine psychologische Betreuung, Auswirkungen eines sexuellen Missbrauchs habe man nicht feststellen können.
Jugendamt und Eltern verständigten sich auf Schadensbegrenzung, eine Strafanzeige wurde nicht erstattet. Eine arbeitsrechtliche Überprüfung ergab: Der Vorwurf reicht nicht für eine außerordentliche Kündigung. Deshalb wurde dem Mitarbeiter eine Versetzung angeboten und eine Fortbildung für die neue Aufgabe.
Der Mitarbeiter bestreitet die Vorwürfe. Er will weiter im Kindergarten arbeiten, eine Versetzung lehnt er ab.
Darüber informierte in dieser Woche das Jugendamt die Eltern auf einer Versammlung. Das bisherige Vorgehen der Verwaltung hätten die Eltern gut geheißen, so ein Teilnehmer. Aber die Versetzung sei ihnen nicht genug. Sie verlangen die sofortige Kündigung. Am gestrigen Freitag gingen sie mit Handzetteln an die Öffentlichkeit, um die Verwaltung unter Druck zu setzen.

