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Aus für billigen Nachtstrom: Marktlage geändert

Dorsten. Die Zeit der Strom-Sonderangebote ist wieder vorbei: Nachdem im Sommer Evita mit Werbeaktionen für Aufbruchstimmung insbesondere in Wulfen-Barkenberg gesorgt hatte, haben neue Kunden seit Jahresbeginn ein deutlich höherer Preis für Nachtstrom zu zahlen. Der Unterschied zum Alt-Anbieter RWE sei nur gering, bedauern wechselwillige Mieter.

Die verschiedenen Vertriebspartner von Evita zogen von Wohnung zu Wohnung und rechneten den Sondertarif „Westfalen V1“ vor. Mehrere hundert Euro waren drin, sogar 1440 Euro, erinnert sich Volker Schriever in seinem Fall. Er zögerte damals. Zu lange: Das neue Angebot heißt „Heizung Westfalen 11“ und liegt mit 15,02 Cent/kWh über dem aktuellen RWE-Angebot (14,51).

Verständnislosigkeit in Barkenberg. Auf der Evita-Internetseite ist der neue Tarif gar nicht zu finden. „Die Nachtspeicherheizung ist sehr beratungsintensiv“, erklärt der Leiter Tarife und Verträge, Erik Dittrich. Deshalb keine Infos im Internet.

Wechselgründe gibt es jetzt nicht mehr, wenn man die Kosten sieht. Den alten Preis habe man nicht halten können, so Dittrich. Evita habe eine bestimmte Menge Strom im Voraus gekauft. „Dann wurden wir überrannt, so groß war die Nachfrage.“ Man habe Energie nachgekauft. Doch mittlerweile habe sich die Marktlage an mehreren Punkten geändert: Der Strom sei an der Leipziger Börse teurer geworden. Die RWE hätten ihre Durchleitungsgebühren erhöht. Die Abgaben nach dem EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) hätten sich um 70 Prozent erhöht. Fazit: Er wird kein neues Sonder-Angebot für Nachtstrom-Kunden geben, jedenfalls nicht in absehbarer Zeit.

Und auch die Freude derer, die im letzten Jahr auf den neuen Super-Preis von Evita eingestiegen sind, wird gedämpft. Die EEG-Abgabe (1,06 Cent/kWh) wird natürlich auch noch auf die laufenden Verträge aufgeschlagen. Und sie gelten ohnehin nur 12 Monate. Danach sind die Stromkosten unterm Strich wieder gleichauf mit den Angeboten der RWE.

„Kundenfang“, ärgert sich Volker Schriever. „Nun kassieren beide Gesellschaften ab und keiner der beiden muss aufgrund eines nahezu identischen Preisgefüges Kundenverlust befürchten.“

Wirklich Geld verdienen könne man ohnehin nur mit der Stromerzeugung, so Evita-Tarife-Leiter Dittrich: 30 bis 35 Prozent der Kosten seien Steuern und Abgaben, 20 bis 25 Prozent gingen an den Netzbetreiber, 40 bis 50 Prozent blieben beim Energieversorger. Beim Kundengeschäft sei kaum noch Geld zu verdienen. Damit den vier großen Stromerzeugern nicht die Endkunden wegliefen, seien sie sogar bereit, mit „Billigtöchtern“ Verluste hinzunehmen. Mit den Milliardengeschäften aus der Erzeugung sei das leicht zu verkraften.

Für die Barkenberger heißt das: Heizen mit Strom bleibt eine teure Sache.

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