
Haltern (rk). So um die 150 Jahre alt ist sie wohl, die „Villa Kunterbunt“, ein echter Hingucker. So alt soll sie wohl sein, erzählt Karsten Eberts, der seit sechseinhalb Jahren mit Ehefrau Sabine als Mieter hier wohnt und dem flachen Uraltgemäuer an der Ecke Wehrstraße 23/Mühlengraben/Disselhof den lustigen Namen verpasste.
„Meine Frau und ich sind beide Pippi-Langstrumpf-Fans. Wir dachten, das passt auch gut zu unserem Tätowierstudio.“ Doch ein Hingucker war das Haus nicht immer, wie sich der 35-Jährige erinnert.
„Das Haus stand vorher mehrere Jahre leer. Jugendliche hatten Scheiben eingeschlagen und die Wände mit Graffiti besprüht.“ Zwei Monate lang renovierte das Ehepaar den Bau von innen und außen. Bis es in den jetzigen Farben erstrahlte.
Im Halterner Jahrbuch 1993 ist das schmucke Fachwerkhaus Thema eines dreiseitigen Artikels: „Zu Gast im wohl urigsten Häuschen Halterns“. Das Hauptaugenmerk lag auf den damaligen Bewohnern. Die fünfköpfige Familie Rezai, politisch Verfolgte aus dem Iran, hatte das Häuschen im Juli 1993 bezogen, „nachdem sie es drei Monate lang renoviert hatte. Das Gemäuer war arg heruntergekommen: unsauber, Dach und Wände undicht“, schrieb die Autorin des Artikels, Beate Mertmann aus Sythen (heute Vorsitzende der Halterner Bürgerstiftung). Deutsche Mietinteressenten seien bei der Besichtigung „rückwärts wieder rausgegangen“. Der Vater, Bauingenieur und im Iran selbstständiger Unternehmer, habe mit seinen Söhnen Dach und Wände isoliert und unter anderem auch das Fachwerk von außen gestrichen und Blumenkästen angebracht.

